Napoleon in Ägypten, 1798–1799

Am 16. August 1797 schrieb Napoleon (er war fast auf den Tag genau 29 Jahre alt) an das Direktorium in Paris: "Die Zeit ist nicht mehr ferne, wo wir fühlen werden, daß wir uns Ägyptens bemächtigen müssen, um England gründlich zu zerstören." Am 3. November schrieb er: "Vereinigen wir all unsere Tätigkeit auf die Hebung unserer Marine und zerstören wir England, dann liegt Europa zu unseren Füßen."
Am 19. Mai 1798 verließen die ersten Schiffe den Hafen Toulon, weitere folgten aus Genua, Ajaccio und Civitavecchia. Insgesamt nahmen 15 Linienschiffe, darunter 13 Schlachtschiffe), 15 Fregatten, 8 Korvetten und einige kleinere Kiegsfahrzeuge mit insgesamt 2000 Geschützen zum Schutz der dreihundert Transportschiffe und 35.000 Mann die Expedition in Angriff.
Am 1. Juli traf die französische Flotte in Ägypten ein. Am 19. Juli kam es bei den Pyramiden zum ersten Kampf gegen die Mamelucken unter Ibrahim, der erfolgreich für Napoleon endete. Am 22. Juli besetzten die Franzosen Kairo, wo 2 Tage später Napoleon einzog.
Völlig unerwartet überfiel Lord Nelson am 1. August mit seiner englischen Flotte die vor Abukir liegenden französischen Kriegsschiffe. Nelson hatte bisher vergeblich versucht, Napoleon in einer Seeschlacht zu stellen, der jedoch immer wieder entkommen konnte. Der Erfolg Nelsons war vollkommen. Nur 2 Linienschiffe und 2 Fregatten konnten sich durch Flucht dem Untergang entziehen, einige Fregatten waren vorher noch in den Hafen bugsiert worden und entkamen dadurch auch dem sicheren Untergang. Der Rest der französischen Flotte wurde versenkt oder fiel in die Hände der Engländer. Inzwischen widmete sich Napoleon mehr und mehr der ägyptischen Bevölkerung und der Förderung wissenschaftlicher Arbeiten.
Zahlreiche Wissenschaftler begleiteten die Expedition: 21 Mathematiker, 3 Astronomen, 17 Zivilingenieure, 13 Natur-wissenschaftler und Bergwerksingenieure, 13 Geographen, 3 Waffeningenieure, 4 Architekten, 8 Zeichner, 10 Fein-mechaniker, 1 Bildhauer, 15 Dolmetscher, 10 Schriftsteller, 22 Drucker, ausgerüstet mit lateinischen, griechischen und arabischen Lettern.
Zahlreiche Ausgrabungen in Luxor, Theben und Karnak und der Fund des Steines von Rosette waren von nachhaltigem wissenschaftlichem Wert.
Weitere Eroberungen folgten: mit 13.000 Mann drang er ins Heilige Land ein und erreichte am 19. März die Festung Akka. Mehrere Attacken mußten ergebnislos abgebrochen werden und am 20. Mai wurde die Belagerung Akkas wieder aufgegeben. Am 18. Juli landeten 100 türkische Schiffe mit 15.000 Mann in Abukir. Mit nur 8000 Mann gelang es Napoleon sie bei der Landschlacht bei Abukir vollständig zu besiegen.
Nachdem sich die politische Situation in Frankreich und Italien für Napoleon nachteilig entwickelte, verließ er in der Nacht vom 21. auf den 22. August mit 2 Fregatten den Hafen von Alexandrien, um nach Frankreich zurückzukehren. Er hatte große Mühe, den verfolgenden Engländern zu entkommen. Letztlich gelang es doch, am 9. Oktober in Frejus zu landen.
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